Kategorie-Archiv: Mensch-Tier-Beziehung

Nutztierhaltung – Amputationsverbote endlich durchsetzen!

1. Oktober 2013

9. Vortrag in der Reihe „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“

Eckhard Wendt: Nutztierhaltung – Amputationsverbote endlich durchsetzen!

Die erste Vortragsveranstaltung des Runden Tisches nach der Sommerpause hatte ein erschreckendes Thema: Amputationen bei Nutztieren. Nicht jeder mutete sich diesen Vortrag zu, so hatte sich eine Gruppe besonders engagierter Zuhörer eingefunden, um sich vom Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung, Eckard Wendt aus Stelle, informieren zu lassen.

Eine Amputation ist die Abtrennung eines Körperteils. Sie erfolgt aus medizinischen Gründen (weil das Körperteil nicht anders zu retten ist), als Unfallfolge oder Strafe (wikipedia). Welche Gründe liegen bei Nutztieren vor, Schnäbel / Schwänze / Zähne Hoden abzuschneiden oder auszureißen? In aller Regel sind es ausschließlich wirtschaftliche Gründe. Das Tierschutzgesetz von 1986 sieht vor, dass ein Tier so zu halten ist, dass Selbstaufbau und Selbsterhaltung gewährleistet sind. Aber es gibt Einschränkungen (die schon immer die Regel gewesen sind): Einschränkungen des artgerechten Verhaltens dürfen zugemutet werden, wenn die Bedarfsdeckung (Futter, Wasser) gewährleistet ist und Schaden nach Möglichkeit vermieden wird.

Im Tierschutzgesetz sind Amputationen zunächst grundsätzlich verboten. Es folgt dann aber eine lange Reihe von Ausnahmen, die im Vortrag von Eckard Wendt detailliert beschrieben und bewertet wurden. Sehr differenziert sind auch die Vorschriften, wann und wie eine Betäubung zu erfolgen hat, um Schmerzen bei Amputationen zu mindern. Auch bei diesen Regelungen ist vielfach festzustellen, dass die Festlegungen nicht nach ethischen oder medizinischen Kriterien erfolgen, sondern vor allem wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen: das Verfahren darf nicht zu teuer werden. Denn jeder weiß: hier geht es nicht um ausnahmen („…im Einzelfall…“), wie im Gesetz eigentlich vorgeschrieben, sondern in der Massentierhaltung werden diese Eingriffe meist durch die Bank bei allen Tieren eingesetzt.

Die von Wendt vorgetragene Auflistung verlangte starke Nerven: Kastrieren von männlichen Schweinen, Rindern oder Schafen, Entfernen von Hühner- oder Putenschnäbeln, Abschneiden von Hühnerkämmen oder Schafsschwänzen, Rausbrechen von Zähnen bei Ferkeln, Enthornungen bei Kühen und so weiter und so weiter. In aller Regel sind die Eingriffe „notwendig“, weil die industrialisierte Massentierhaltung so viele Tiere auf so engem Raum und bei so wenig artgerechter Lebensgestaltung zusammen bringt, dass sie sich gegenseitig oder sich selbst verstümmeln oder schädigen.

Die einzelnen Eingriffsarten sind aufgelistet und mit Altersbegrenzungen versehen: Ferkel bis acht Tagen, unter sechs Wochen alte Rinder usw. Parallelen zur Behandlung von Säuglingen drängen sich auf: noch bis vor wenigen Jahrzehnten hatte man den Säugling als empfindungs- und schmerzunfähige „Masse Zellen“ angesehen und entsprechend auf schmerzstillende Maßnahmen bei Eingriffen kurz nach der Geburt abgesehen. Ärztliche Fachverbände haben seit Jahrzehnten diese Sichtweise überwunden und gehen von Schmerzempfindung schon beim Fötus im Mutterleib aus (der entsprechend zu schützen ist, vgl. z.B. http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.47.3227). In der Nutztierhaltung siegt die ökonomische Sicht über die ethische und medizinische.

Ein langer Weg der Lobbyarbeit für Tiere ist hier noch zu beschreiten. Das Publikum dankte Eckard Wendt, der seit Jahrzehnten an dieser Arbeit bundesweit beteiligt ist, mit lebhaftem Beifall.

(Ingo Engelman

„More than honey“ – Film über das weltweite Bienensterben

11. Juni 2013
„More than honey“ Über das weltweite Bienensterben, Movieplexx Kino
„More than Honey“ ist ein eindrucksvoller Dokumentarfilm des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof aus dem Jahr 2012. Er entführt uns in das faszinierende Universum der Honigbiene. Imhoof thematisiert mit spektakulären Aufnahmen das weltweite Bienensterben von Kalifornien bis China und macht uns bewusst, dass mehr als ein Drittel unserer Nahrungsmittel nur durch die Bestäubung der Bienen gedeihen. Eines der wichtigsten Naturwunder unserer Erde schwebt in höchster Gefahr. Das fleißigste aller Tiere, das verlässlich von Blüte zu Blüte fliegt, verschwindet langsam durch ein mysteriöses (?) Sterben. Doch ein Leben ohne Biene ist undenkbar. Sie ist die große Ernährerin der Menschen. Aber ihr wird heute Großes abverlangt: der weltweite Bedarf an Naturprodukten ruht auf ihren zierlichen Flügeln. Zwischen Pestiziden, Antibiotika, Monokulturen und dem Transport von Plantage zu Plantage scheinen die Königinnen und ihre Arbeiterinnen ihre Kräfte zu verlieren.
„Wenn die Bienen aussterben, stirbt der Mensch vier Jahre später aus“
, soll Albert Einstein gesagt haben. Weiterlesen

Wenn Reiter gewinnen und Pferde verlieren – die hässliche Seite des kleinen und großen Turniersports

4. Juni 2013
8. Vortrag in der Reihe „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“
Regina Rheinwald: „Wenn Reiter gewinnen und Pferde verlieren – die hässliche Seite des kleinen und großen Turniersports“
Die Referentin, selbst früher Turnierreiterin, hatte einen eigenen Reitstall und unterrichtet als Reitlehrerin. Sie arbeitet außerdem als Verhaltenstherapeutin für Pferde.  Sie ist Autorin mehrerer Fachbücher zum Thema Pferde.
Am Beginn ihres Vortrags wies Frau Rheinwald darauf hin, dass Im Reitsport die Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd vertieft werden kann und insbesondere in der Dressur zu einer Art gemeinsamen Tanzes führen kann, in dem keine Bewegungsabläufe vorkommen, die dem Pferd nicht aus dem Alltag bekannt wären. Diese Art von Partnerschaft ist wesentlich und erstrebenswert – gleichwohl ist das Pferd aufgrund seiner Anatomie (speziell aufgrund des langen Rückens) eigentlich nicht besonders gut geeignet, Reiter zu tragen. Darauf muss man Rücksicht nehmen.
Im weiteren Verlauf ihres Vortrags schilderte Frau Rheinwald missbräuchliche Nutzungen des Pferdes im aktuellen Dressur- und Turniersport, die leider nach ihren Beobachtungen so zugenommen haben, dass sie keine Ausnahmen mehr sind, sondern die Regel auf dem Turnierplatz. Beispielhaft nannte sie die Benutzung der Sporen sowie von speziellen Trensengeschirren oder der Kandare. Weiterlesen

Warum wir (noch!) Fleisch essen dürfen

7. Mai 2013
7. Vortrag in der Reihe „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“
Sabine Eisermann: „Warum wir (noch!) Fleisch essen dürfen“
Sabine Eisermann hielt einen Vortrag, der einen weiten Bogen von ihrem eigenen Lebens- und Erfahrungshintergrund bis zu kosmischen Modellen in der Tradition von Rudolf Steiner schlug. Sie schilderte ihren Werdegang von einer Kindheit und Jugend in der DDR, dem Berufswunsch des Försters (der an der Voraussetzung scheiterte, einen Jagdschein machen zu müssen – was sie ablehnte), ihre schlimmen Erfahrungen in der Milchviehhaltung im LPG-System, das begonnene Gartenbaustudium. Dann folgten Krankheitsphasen, die sie in Kontakt zu ayurvedischen Ärzten und zur Vollwertkost bei Dr. Bruker in der Klinik Lahnstein. Sie lernte die Ge- und Verbote kennen, die ihr zum Teil immer wieder sehr einleuchteten – und diese Gebote konnte sie dann auch gut befolgen. Keine Margarine, da die Emulsion von Fett und Wasser zu unberechenbaren Potenzierungen führen könnte. Honig nie über 40° erhitzen, weil er dann schädliche Wirkung entfaltet. Kein Zucker, je raffinierter der ist, desto giftiger. „Tierisch eiweißfreie Ernährung“ (also eine ohne tierische Eiweiße), d.h. ohne Fleisch, Milch, Eier, allenfalls erlaubt Bruker Sahne im Frischkornbrei. Und und und… Weiterlesen

Vegetarische Ernährung aus yogischer Sicht

9. April 2013
6. Vortrag in der Reihe „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“
Felicitas Gerull: „Vegetarische Ernährung aus yogischer Sicht“
Eine ganzheitliche Betrachtung von Ernährung, Ethik und Ökologie stellte die Buchholzer Yoga-Lehrerin und Prana-Heilerin Felicitas Gerull in der Vortragsreihe des Runden Tisches für Natur-, Umwelt- und Tierschutz Buchholz vor. Dabei stellt die Formulierung „aus yogischer Sicht“ diesen Weg in den Kontext hinduistischer, indischer Religion und Weltsicht.
Die yogische Sicht versteht den menschlichen Körper als Tempel und als eine von Geist geschaffene Form. Der Körper und die Ernährung sind also unmittelbar verknüpft mit anderen Elementen der religiösen Praxis wie Meditation und Reinigung.
Vor diesem Hintergrund standen die Ausführungen von Felicitas Gerull, in denen es zunächst um die Dreiteilung der Speisen in Rajas, Tamas und Sattva ging. Weiterlesen

Vegan – eine Frage der Logik

5. März 2013
5. Vortrag und Diskussion in der Reihe „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“
Sonja Heiermann: „Vegan – eine Frage der Logik“
Der Runde Tisch für Natur-, Umwelt- und Tierschutz in Buchholz hat mit seiner Veranstaltungsreihe „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“ eine überraschende Kontinuität geschaffen. Zur fünften Veranstaltung waren erneut über 30 Interessierte in den Bio-Supermarkt Aleco gekommen. Die Veganerin Sonja Heiermann, im zivilen Beruf Sängerin und Gesangslehrerin, berichtete über vegane Lebensweise als logische Konsequenz:

  • aus Nachdenken über die Umwelt und die Zukunft der Erde
  • aus Beschäftigung mit dem eigenen Körper und seinem Wohlergehen
  • aus ethischen und philosophischen Erwägungen
  • aus Widerstand gegen Großkonzerne und deren Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur
  • und aus verschiedenen weiteren Überlegungen. Weiterlesen

Legehennen in biologischer Landwirtschaft

5. Februar 2013
4. Vortrag der Reihe „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“
„Legehennen in biologischer Landwirtschaft“ (Hubertus v. Hörsten, Hof Wörme)
Seit 1986 bewirtschaftet Hubertus von Hörsten den Hof Wörme bei Buchholz nach Demeter-Kriterien biologisch-dynamisch. Damit die Bio-Basis langfristig gesichert ist, wurde der Hof einem Treuhandverein übergeben. So gibt es neben der Bäckerei und dem Gemüsebau Viehhaltung in verschiedenen Bereichen: Schweinezucht, Rinder und Ziegen – und seit vier Jahren Legehennen. Nachdem die Milchwirtschaft durch den Preiskampf der großen Konzerne für den Hof Wörme wirtschaftlich nichts mehr hergab, entstand mit den Hennen ein neues Standbein für die Landwirtschaft. Kühe werden zwar auch noch gehalten – aber man sieht sie fast nie, weil sie mit ihren Kälbern die ganze Sommerzeit draußen auf der Weide sind. Milch wird nicht mehr produziert
Die Haltung von Legehennen nach Demeter-Kriterien ist von vielen Hemmnissen gekennzeichnet. Weiterlesen

Bio-Schlachter im Wettbewerb

8. Januar 2013
3. Vortrag der Reihe „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“
Referent: Bio-Schlachter Heino Cohrs
Die Beschäftigung mit verschiedenen Blickrichtungen auf das Verhältnis von Mensch und Tier wurde fortgesetzt mit dem Bio-Schlachter H. Cohrs, der unter anderem für Privatkunden und Bio-Höfe wie Wörme und Arpshof schlachtet. Der von der Familie seit Generationen geführte Schlachterladen musste geschlossen werden, als eine Fortführung mit Familienmitgliedern nicht mehr gewährleistet war.
Damit war Herr Cohrs schnell bei einem Problem der artgerechten Tierhaltung und –schlachtung angekommen. Weiterlesen

Die Jagd – Segen oder Fluch?

4. Dezember 2012
2. Vortrag der Reihe „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“
„Die Jagd – Segen oder Fluch?“ (J.P. Wichmann, Hanstedt)
Die zweite Veranstaltung des Runden Tisches zum Thema „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“ beschäftigte sich mit der Jägerei. Hegeringleiter Wichmann aus Hanstedt stand Rede und Antwort in einem kontroversen Themenfeld.
Zunächst beschrieb er die Notwendigkeit, Tiere im Fall einer übermäßig wachsenden Population abzuschießen, damit das Gleichgewicht in der Natur nicht aus der Balance gerät. Die ungefähr 300.000 Jäger in Deutschland schießen in diesem Rahmen 50.000 Tonnen Wild pro Jahr, das als hochwertigstes Fleisch auf den Markt kommt. Weiterlesen

Bienen

6. November 2012
1. Vortrag der Reihe „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“

„Bienen“ (G. Klenota, Kakenstorf)

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe  „Mensch-Tier-Beziehung im Fokus“ referierte der Imker Günter Klenota aus Kakenstorf. Er schilderte seinen Werdegang als Bienen-Fan und –Fürsorger und stellte an den Beginn der Entwicklung die wilden Bienenvölker, deren Honig  zum Beispiel in Südostasien unter abenteuerlichen Umständen geerntet wird. Die Beziehung zwischen Bienen und Menschen führte von diesen wilden, eher ausbeuterischen Methoden zu besser abgestimmten Systemen, in denen die Biene eher zum Haustier wird und der Imker Verantwortung trägt für die angemessene Versorgung und Pflege der Bienenvölker. Günter Klenota betreut zur Zweit ca. 30 Bienenvölker, wobei er Wert darauf legt, dass es sich um gesunde und kräftige Völker handelt, die sich durch regelmäßiges Schwärmen regulieren und weiter entwickeln. Weiterlesen